BESCHREIBUNG DER TRADITIONELLEN TÄNZE

 

DER GROSSE ERÖFFNUNGSTANZ

Der Eröffnungstanz beginnt mit den Fahnenträgern. Häufig werden ehemalige Krieger gebeten, die Fahne zu tragen. Dann folgen die Chiefs, Weisen und Stammesführer. Schließlich treten die Tänzer in den Kreis ein: erst die Männer, dann die Frauen und am Schluss die Kinder. Da es sich hierbei um einen sakralen Tanz handelt, bitten wir die Zuschauer, während des Tanzes keine Fotos zu machen.

 

DIE TROMMEL

Die Trommel hat eine zentrale Bedeutung für jeden Pow-Wow und darf niemals fehlen. Die Trommel symbolisiert den Herzschlag der Mutter Erde. Sie gibt den Rhythmus für die Tänzer vor. Die Tänzer ehren die Trommel mit jedem Tanz.

 

DER TRADITIONELLE TANZ DER HERREN

Dies ist sicherlich der älteste Pow-Wow-Tanz. Jeder Tänzer würdigt auf seine Weise den Krieger, der in ihm steckt. Er erzählt in seinem Tanz die Geschichten seiner Vorfahren über die Jagd und Kriege. Es ist ein sehr spiritueller Moment des Pow-Wows.

 

DER TANZ DER HERREN ZU EHREN DER HEILIGEN KRÄUTER „GRASS DANCE“

Dieser Tanz entstand in den Plains. Er erinnert an die Zeit, in der die Männer, bevor sie ihr Lager aufschlagen konnten, die hohen Gräser niedertreten mussten. Die Tänzer stampfen auf den Boden, um diese alte Tradition in Erinnerung zu rufen.

 

DER „FANCY“-TANZ DER HERREN

Dieser Tanz entstand in den 1920er-Jahren in Oklahoma und diente zur Unterhaltung der Besucher der indigenen Reservate. Er ist zweifelsohne einer der beeindruckendsten und farbenreichsten Pow-Wow-Tänze. Die Tänzer tragen sehr aufwendig gefertigte Kleidung und tanzen zu sehr schnellen Rhythmen. Er verlangt eine sehr gute körperliche Fitness und wird deshalb meist von den jüngeren Tänzern getanzt.

 

DER TRADITIONELLE TANZ DER DAMEN

Dieser sehr vornehme Tanz ist eine Hommage an die starke Bindung der Frau zur Mutter Erde. Die Tänzerinnen führen den ganzen Tanz über langsame Bewegungen aus und heben ihre Füße dabei kaum vom Boden, um ihre heilige Verbindung zur Mutter Erde zu bewahren.

 

DER SCHAL-TANZ

Noch in den 1950er-Jahren durften Frauen nicht im Kreis mittanzen. Erst als sich eine Tänzerin als Mann verkleidet in den Kreistanz einschlich, wurde es Frauen schließlich gestattet, am Kreistanz teilzunehmen. Zunächst tanzten sie nur mit einem Umhang, fügten mit den Jahren aber Bänder und Stickereien hinzu, wodurch der Tanz so farbenreich wurde, wie wir ihn heute kennen. Die Bewegungen der Tänzerinnen erinnern oft an den Flügelschlag von Schmetterlingen.

 

DER GLÖCKCHEN-TANZ

Der Legende zufolge erkrankte das Ojibwe-Mädchen Maggie White sehr schwer. Als keiner wusste, wie das sterbenskranke Mädchen geheilt werden konnte, träumte ihr Großvater von einem Mädchen in einem mit Tränen verzierten Kleid. Gleich am nächsten Morgen erzählte er den ältesten Frauen des Dorfes von seinem Traum. Sie nähten daraufhin ein Kleid, das sie mit eingerollten Deckeln von Schnupftabakdosen verzierten, deren Form an Tränen erinnern. Es wird erzählt, dass sich die kleine Maggie, sobald sie das Kleid anprobierte, in ihrem Bett aufsetzen konnte, am nächsten Tag wieder laufen und am dritten Tag, völlig von ihrer mysteriösen Krankheit geheilt, zu tanzen begann. Auch heute noch bitten wir Tänzerinnen und Tänzer, für die Heilung von Kranken zu tanzen.

 

Das Kleid muss innerhalb von einem Jahr von Hand geschneidert werden. Jeden Tag wird ein Glöckchen angenäht, in dem sich in einem kleinen Beutelchen Tabak befindet. Bevor die Tänzerin das Tabak-Beutelchen ins Glöckchen steckt, betet sie zu ihm. Am Ende eines Jahres befinden sich 365 Glöckchen am Kleid. Das Glöckchen-Kleid (Jingle Dress) ist ein Heilungskleid. Die Tänzerin richtet während des Tanzes ihre 365 Gebete an den Schöpfer.